Check-in neu gedacht und andere Innovationen
Schülerinnen und Schüler der Landesberufsschule für Hotel- und Gaststättengewerbe Villingen-Schwenningen besuchten das Hotel Auerhahn am Schluchsee und erhielten dort fachliche Einblicke in ein Haus, das moderne Hotellerie sehr bewusst über Gastgeberkultur, technische Ausstattung und entschleunigte Abläufe definiert.
Begrüßt wurde die Gruppe von Marius Tröndle, der seinen beruflichen Weg vom Hotelfach über den Koch bis zum eidgenössisch diplomierten Hotelier in Zürich schilderte. Dabei machte er deutlich, dass berufliche Entwicklung nicht geradlinig verlaufen muss und dass scheinbar unmögliche Schritte Chancen eröffnen können. Zugleich gab er Einblicke in die Familiengeschichte des Auerhahns, der nach einer Zeit in fremdem Besitz von seinem Großvater wieder in die Familie zurückgeholt wurde.
Anschließend führten der stellvertretende Direktor und die rechte Hand von Marius, Paul Kottwitz, sowie der Junior-Controller Max durch das Haus. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur Zimmer, Suiten und Saunabereich, sondern vor allem das Zusammenspiel aus Komfort, Technik und Service. Die 45 Zimmer verfügen über moderne Steuerungs- und Kommunikationssysteme, welche Abläufe vereinfachen, den Aufenthalt für den Gast unaufdringlich komfortabler machen und den Arbeitsalltag der 80 Mitarbeitenden im Auerhahn erleichtern. Besonders spannend war dabei der Einblick in die Rolle von Max: Er kommt nicht aus einer klassischen Ausbildung in der Systemintegration, sondern ist ebenfalls gelernter Hotelfachmann. Genau aus dieser Perspektive heraus durfte er viele technische Lösungen mitentwickeln: nicht aus der Frage heraus „Was kann Technik alles?“, sondern aus der viel praktischeren Frage „Was brauchen wir im Hotelalltag wirklich und was davon ist auch harmonisch und sinnvoll?“ Gemeinsam mit Firmen und auch mit eigenen Ideen entstanden so Lösungen, die zum Haus passen und den Service unterstützen, statt ihn einfach zu ersetzen. So wurde die Gästekommunikation über ein „Suite-Pad“ strukturiert und kanalisiert. Der Gast erhält dadurch einen direkteren Draht zu verschiedenen Abteilungen wie Rezeption, Housekeeping oder auch zum Spa.
Besonders deutlich wurde der moderne Charakter des Hauses beim Check-in. Die Anreise wird nicht als schneller Verwaltungsvorgang am Front Desk verstanden. Gäste werden zunächst mit einem Getränk empfangen, in die Lounge begleitet und dort in Ruhe auf ihren Aufenthalt eingestimmt. Menü, Besonderheiten des Hauses und individuelle Wünsche werden persönlich besprochen. Entschleunigung wird damit nicht als Zusatzleistung verstanden, sondern als grundlegender Teil des Ankommens.
Damit zeigt der Auerhahn ein zeitgemäßes Verständnis von Gastgeben: weniger standardisierte Abfertigung, mehr persönliche Aufmerksamkeit; weniger formaler Ablauf, mehr bewusste Begegnung. Unterstützt wird dieses Konzept durch kurze Wege, klare Zuständigkeiten und ein junges, dynamisches Team, das früh Verantwortung übernimmt.
Auch die bewusste Entscheidung gegen eine klassische Hotelklassifizierung wurde fachlich eingeordnet. Sie schafft Freiräume, um Service, Gestaltung und Abläufe individueller zu entwickeln und nicht ausschließlich nach festen Kategorien zu handeln.
Im anschließenden Fachgespräch ging es insbesondere um berufliche Orientierung. Für die Schülerinnen und Schüler im dritten Lehrjahr stand dabei eine Frage im Raum, die viele angehende Fachkräfte beschäftigt: Wie soll man sich entscheiden, wenn es so viele tolle Häuser gibt – aber man vielleicht noch gar nicht genau weiß, wo man leben möchte? Die Antwort aus dem Auerhahn war ebenso schlicht wie ermutigend: Nicht zuerst das Hotel suchen, sondern das eigene Leben ernst nehmen. Wo möchte ich wohnen? In welchem Umfeld fühle ich mich wohl? Welche Region passt zu mir? Das richtige Hotel, so der sinngemäße Rat, werde einem dann schon vor die Füße fallen.
Zugleich wurde den Schülerinnen und Schülern viel Zuversicht mitgegeben. Wer den Weg der Hotellerie geht, wer lernen möchte, Verantwortung übernimmt und offenbleibt, muss sich und die eigene Zukunft nicht verstecken. Gut ausgebildete Fachkräfte sind gefragt – und Menschen, die Hotellerie wirklich verstehen, bleiben in vielen Häusern gern gesehene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der Besuch im Hotel Auerhahn machte damit praxisnah deutlich, wie moderne Hotellerie aussehen kann: technisch unterstützt, persönlich geführt, bewusst entschleunigt und getragen von einem Team, das Gastgeben als aktive, zeitgemäße Aufgabe versteht – mit Haltung, Herz und einer Prise Schwarzwälder Eigenwilligkeit.
Text: Tim P. Maurer


